Shatavari für Frauen – Wirkung auf Hormone, Zyklus und Balance
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Dr. Long Duc Nguyen
ehemaliger Biochemiker der Charité Berlin und ganzheitlicher Ernährungsberater, gründete Bionutra, um natürliche Mikronährstoffe aus hochwertigen Superfoods und Heilpflanzen für alle einfacher zugänglich zu machen.
Einleitung
Shatavari (Asparagus racemosus) wird in der ayurvedischen Tradition seit Jahrhunderten beschrieben und häufig im Zusammenhang mit dem weiblichen Körper erwähnt. Besonders in Themen wie hormonelle Balance, Menstruationszyklus und verschiedene Lebensphasen spielt die Pflanze eine zentrale Rolle in klassischen Anwendungen (Alok et al., 2013; Singh et al., 2023).
Auch in der modernen Forschung wächst das Interesse an Shatavari. Erste Studien untersuchen einzelne Inhaltsstoffe sowie mögliche Zusammenhänge mit hormonellen Prozessen und physiologischen Funktionen. Gleichzeitig ist die Datenlage in vielen Bereichen noch begrenzt, weshalb eine differenzierte Betrachtung wichtig bleibt.
Dieser Artikel gibt einen Überblick darüber, warum Shatavari traditionell als „Frauenpflanze“ bezeichnet wird und wie sich diese Einordnung aus heutiger wissenschaftlicher Perspektive einordnen lässt.
Wenn Sie häufige Fragen zu Shatavari haben, finden Sie Antworten in unserem Beitrag Shatavari FAQ.
Warum wird Shatavari als „Frauenpflanze“ bezeichnet?
Shatavari (Asparagus racemosus) ist eine Pflanze aus der ayurvedischen Medizin, die traditionell eng mit der Frauengesundheit verbunden wird. Seit Jahrhunderten wird sie in Indien in verschiedenen Lebensphasen eingesetzt – etwa im Zusammenhang mit Menstruation, Schwangerschaft, Stillzeit und den Wechseljahren (Alok et al., 2013; Singh et al., 2023).
In der Ayurveda-Lehre steht dabei vor allem der Gedanke der „Balance“ im Mittelpunkt. Shatavari wird häufig dem sogenannten Pitta-Dosha zugeordnet und gilt als Pflanze, die regulierend und unterstützend auf körperliche Prozesse wirken kann (Singh et al., 2023).
Der Begriff „Frauenpflanze“ ist daher vor allem historisch und traditionell geprägt. Gleichzeitig hat die moderne Forschung begonnen, einige dieser Anwendungen systematisch zu untersuchen.
Shatavari und hormonelle Balance
Ein zentraler Aspekt der Forschung zu Shatavari betrifft mögliche Zusammenhänge mit hormonellen Prozessen.
Die Wurzel enthält sogenannte steroidale Saponine, insbesondere Shatavarine, die aufgrund ihrer Struktur mit hormonähnlichen Wirkmechanismen in Verbindung gebracht werden (Sharma et al., 2020). Präklinische Studien zeigen, dass diese Verbindungen mit hormonellen Signalwegen interagieren können (Singh et al., 2023).
Neuere klinische Studien liefern erste Hinweise darauf, dass Shatavari auch beim Menschen Effekte auf hormonbezogene Parameter haben könnte. In randomisierten kontrollierten Studien wurden Veränderungen von Werten wie FSH, LH oder Estradiol beobachtet, insbesondere bei Frauen in den Wechseljahren (Yadav et al., 2024; Sharma et al., 2025).
Gleichzeitig ist wichtig zu betonen: Diese Effekte sind noch nicht vollständig verstanden und nicht in allen Studien konsistent. Shatavari kann daher nicht als „hormonregulierend“ im medizinischen Sinne eingeordnet werden, sondern wird derzeit als potenziell unterstützend diskutiert.
Auch in der Schwangerschaft und besonders in der Stillzeit spielt Shatavari traditionell eine Rolle (Alok et al., 2013).
Moderne Studien haben begonnen, diese Anwendung zu untersuchen: Erste klinische Daten zeigen, dass Shatavari die Milchproduktion in den ersten Tagen nach der Geburt erhöhen und den Zeitpunkt des Milcheinschusses verkürzen kann (Ajgaonkar et al., 2025).
Diese Ergebnisse sind vielversprechend, basieren jedoch bislang auf wenigen Studien mit begrenzter Teilnehmerzahl. Für eine allgemeine Empfehlung sind daher weitere Untersuchungen notwendig.
Während der Schwangerschaft selbst ist die Studienlage noch unzureichend, weshalb eine Anwendung nur nach individueller Abklärung erfolgen sollte.
Die wissenschaftliche Forschung zu Shatavari bei Frauen hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Besonders im Fokus stehen die Bereiche Wechseljahre, reproduktive Gesundheit und allgemeines Wohlbefinden.
Mehrere randomisierte kontrollierte Studien zeigen, dass standardisierte Shatavari-Extrakte über Zeiträume von etwa 8 Wochen zu einer Reduktion typischer menopausaler Beschwerden beitragen können. Dazu gehören unter anderem Hitzewallungen, Schlafprobleme und psychische Belastung (Gudise et al., 2024; Mahajan et al., 2025; Ademola et al., 2025; Yadav et al. 2025). Zusätzlich wurden Verbesserungen der Lebensqualität sowie teilweise Veränderungen hormonbezogener Marker beobachtet.
Auch in anderen Bereichen gibt es erste klinische Hinweise:
Verbesserungen der sexuellen Funktion und des Wohlbefindens (Ademola et al., 2026)
Veränderungen reproduktiver Parameter, z. B. bei PCOS (Kondamudi et al., 2026, Mhatre et al., 2026)
positive Effekte auf die Milchproduktion in der frühen Stillphase (Ajgaonkar et al., 2025)
Gleichzeitig gilt: Die Studien sind meist relativ klein, von kurzer Dauer und nicht immer konsistent in ihren Ergebnissen.
Kurz zusammengefasst:
Traditionell wichtige Pflanze der Frauenheilkunde
Zunehmend wissenschaftlich untersucht
Erste Ergebnisse vielversprechend
Studienlage noch nicht eindeutig
Keine allgemeingültigen Aussagen möglich
Studien und Quellen
Alok S, Jain SK, Verma A, Kumar M, Mahor A, Sabharwal M. Plant profile, phytochemistry and pharmacology of Asparagus racemosus (Shatavari): a review. Asian Pac J Trop Dis. 2013;3(3):242-251. DOI
Singh N, Tiwari R, Tiwari G, et al. Adaptogenic property of Asparagus racemosus: future trends and prospects. Biomed Pharmacother. 2023;161:114492. DOI
O’Leary MF, Jackman SR, Hamer HM, et al. Shatavari supplementation in postmenopausal women improves handgrip strength and increases vastus lateralis myosin regulatory light chain phosphorylation but does not alter markers of bone turnover. Nutrients. 2021;13(12):4282. DOI
Sharma R, Jaitak V. Shatavari (Asparagus racemosus) targeting estrogen receptor α: a mechanistic study. Nat Prod Res. 2020;34(11):1571-1574. DOI
Mishra A, Shukla P. Clinical evaluation of Shatavari in female infertility. Int J Reprod Contracept Obstet Gynecol. 2016;5(9):3045-3048. DOI
Arora R, Sharma M, Shukla Y. Antioxidant activity of Asparagus racemosus roots. Pharmacognosy Res. 2011;3(4):242-246. DOI
Kondamudi S, Sadu S, Deva S, et al. CL22209, a standardized Asparagus racemosus root extract, demonstrates improved ovarian morphology, menstrual regularity, and metabolic parameters in women with polycystic ovary syndrome in a randomized controlled trial. Food Nutr Res. 2025;69. DOI
Ajgaonkar A, Debnath T, Bhatnagar S, et al. Shatavari (Asparagus racemosus) root extract for postpartum lactation: a randomized, double-blind, placebo-controlled study. J Obstet Gynaecol. 2025;45(1):2564168. DOI
Ademola J, Mahajan S, Srivathsan M, et al. Effects of Shatavari (Asparagus racemosus) root extract on sexual wellness in women: a randomized controlled trial. Int J Womens Health. 2026;18:561213. DOI
Gudise VS, Dasari MP, Kuricheti SSK. Efficacy and safety of Shatavari root extract for the management of menopausal symptoms: a double-blind, multicenter randomized controlled trial. Cureus. 2024;16(4):e57879. DOI
Mahajan S, Avad P, Langade J. Efficacy and safety of Shatavari (Asparagus racemosus) root extract for perimenopause: a randomized, double-blind, placebo-controlled study. Int J Womens Health. 2025;17:4057-4073. DOI
Yadav P, Yadav S, Vedururu SS, Kumari G. A standardized Asparagus racemosus root extract improves hormonal balance and menstrual health and reduces vasomotor symptoms in perimenopausal women: a randomized, double-blind, placebo-controlled study. J Am Nutr Assoc. 2025;44(8):754-764. DOI
Mhatre Y, Jadhav P, Malik A, et al. Efficacy and safety of Shatavari root extract in women with polycystic ovarian syndrome: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Front Endocrinol (Lausanne). 2026;17:1769773. DOI
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